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Thomas Heinen: "Leder lebt und schützt"

Foto: Heinen | Markus Gloger

Terracare, das Label der Lederfabrik Josef Heinen, steht für Umweltschutz, soziale Verantwortung und schonenden Umgang mit Ressourcen. Ziel von Geschäftsführer Thomas Heinen: Transparenz und beste Qualität vereinen.

Gerbereien zählen weltweit zu den am stärksten umweltbelastenden Industriezweigen. Sie zeigen: Es geht auch anders. Wie ist es Ihnen gelungen, im globalen Wettbewerb Ihr Familienunternehmen so erfolgreich fortzuentwickeln?
Heinen: Wir setzen uns deutlich von der Billigkonkurrenz in Entwicklungsund Schwellenländern ab. Unsere Kunden legen Wert auf Leder mit hohen technischen Standards und eine umweltschonende und sichere Produktion »made in Germany«. Dies garantieren wir mit unserem Label terracare. Wir kaufen die Rinderhäute, die als Nebenprodukt der Fleischwirtschaft anfallen, in Deutschland, Holland und Skandinavien ein. Aufgrund der kurzen Strecken müssen sie nicht gesalzen werden. Unsere Produktion ist höchst energieeffizient und verwendet im Vergleich zu anderen Gerbereien nur wenig Wasser, das wir seit 1989 in unserer eigenen Kläranlage reinigen. Durchweg arbeiten wir mit ungiftigem, dreiwertigem Chromsalz, dem umweltfreundlichsten Gerbstoff.

Insbesondere die Chromgerbung hat Leder jedoch in Verruf gebracht. Regelmäßig werden gefährliche Konzentrationen des allergieauslösenden und potenziell krebserzeugenden Chromats in Lederprodukten festgestellt
Heinen: Dabei handelt es sich um das giftige Chrom VI, das nicht in allen Ländern verboten ist und durch den Import von Billigleder aus Fernost auch nach Deutschland gelangt. Die Entstehung von Chrom VI lässt sich leicht unterbinden – das Know-how ist schon einige Jahrzehnte alt und die Umsetzung nicht sonderlich kompliziert. Neben dem fehlenden Bewusstsein und mangelnden Know-how ist die Vermeidung aber auch ein Kostenthema.

Foto: Heinen | Markus Gloger
Thomas Heinen: Geschäftsführender Gesellschafter, Lederfabrik Josef Heinen. Er führt das 1891 gegründete Familienunternehmen in vierter Generation. Die Firma produziert ausschließlich im niederrheinischen Wegberg. Ökologisch und transparent richtet er die Fertigung aus – und stieß damit anfangs in der eigenen Branche auf Unverständnis. Heute sind die hochwertigen Oberleder der Lederfabrik Josef Heinen weltweit für Schuhe und Taschen gefragt. Rund 1000 Rinderhäute werden täglich verarbeitet. Eine Million Quadratmeter Leder werden im Jahr produziert. Im Outdoor-Bereich zählen Lowa, Meindl, Hanwag, Vaude, Mammut, Scarpa, Zamberlan, Bestard und Lundhags zu den Kunden.

Sind Sie aus Überzeugung umweltbewusst oder weil es die Strenge der deutschen Umweltgesetze erfordert?
Heinen: Beides. In vielen Punkten übertreffen wir aber bei Weitem die deutschen Gesetze und gehen bis an das technisch Mach- und Bezahlbare.

Warum gerben Sie in Ihrem Betrieb dann nicht mit pflanzlichen Mitteln?
Heinen: Für Laien hört sich das immer sehr gesund und ökologisch an. Leider ist aber auch die Gewinnung vegetabiler Gerbstoffe nicht problemlos. Man benötigt zudem viel mehr Gerbstoff und Wasser als bei der Chromgerbung. Vegetabil gegerbtes Leder ist nicht wasserabweisend, vergleichsweise schwer und nicht so weich – für moderne Outdoor-Schuhe komplett ungeeignet.

Dafür steckt im Naturprodukt Lederschuh nicht wenig Chemie.
Heinen: Pro Kilogramm Rohhaut benötigt ein Gerber durchschnittlich 0,5 Kilogramm Hilfsstoffe, das sind circa 600 Gramm Hilfsstoffe für einen Schuh. Das hört sich viel an, ist es aber im Vergleich zu Textil und anderen technischen Schuhmaterialien nicht. Leder hat zudem noch andere Vorteile: Es basiert auf einem nachwachsenden Rohstoff, der tierischen Haut. Es passt sich dem Trägerfuß an, nimmt Fußfeuchtigkeit auf und gibt sie über Nacht wieder an die Umluft ab. Wanderschuhe oder Bergstiefel aus Leder halten problemlos mehr als zehn Jahre. Für einen Kunststoffschuh werden erdölbasierte Rohstoffe eingesetzt, der Fuß schwitzt leichter und der Schuh verschleißt in wenigen Jahren. Leder lebt und schützt. Kunststoff ist tot und kalt.

Foto: Heinen | Markus Gloger
Terracare, das Label der Lederfabrik Josef Heinen.

Beziehen Sie auch Bio-Rinderhäute?
Heinen: Leider gibt es nur wenig zertifizierte Bio-Landwirte. Wir kaufen einen großen Teil der verfügbaren Bio-Häute auf und liefern das Leder an die Firma Meindl, die daraus die Identity-Serie fertigt.

Warum gibt es für Lederprodukte kaum Herkunftsnachweise?
Heinen: In Zentraleuropa wäre eine Rückverfolgbarkeit regional umsetzbar. Dass es geht, beweisen wir ja mit Meindl. Das meiste Leder kommt aber aus Nord- und Südamerika sowie Asien. Die Fleischund Lederindustrie ist dort stark verschachtelt und undurchsichtig. Globale Transparenz halte ich für unerreichbar, zumindest für die nächsten Jahre.

Immer mehr Deutsche ernähren sich vegan und nutzen konsequenterweise auch kein Leder. Können Sie diese Haltung nachvollziehen?
Heinen: Ich finde es gut, wenn jemand bewusst weniger Fleisch isst, aber dafür etwas mehr ausgibt. Was ich weniger nachvollziehen kann, ist die vegane Haltung. Eine komplette Ablehnung von tierischen Produkten entspricht einer Ablehnung der menschlichen Evolution. Letztlich hat sich die Menschheit über die Ernährung mit tierischem Eiweiß zu dem entwickelt, was wir heute sind. Für mich ist ein respektvoller Umgang mit Tieren der richtige Ansatz, und dazu gehört auch die Wertschätzung von Fleisch, Milch oder der tierischen Haut.

Ihr Vater Karl hatte Ihnen wegen des härter werdenden Wettbewerbs einst davon abgeraten, in den Betrieb einzusteigen. Würden Sie es heute wieder tun?
Heinen: Mein Vater hat miterlebt, wie eine Gerberei nach der anderen schließen musste, und hat mir daher als Teenager davon abgeraten. Glücklicherweise habe ich es aber trotzdem getan, denn mein Job macht Spaß, die Schuhbranche ist hoch spannend und Leder ist das absolut genialste Material, das es gibt. Der Wettbewerb ist hart, aber ich glaube fest daran, dass Produkte, die nicht auf die schnellste und billigste Art und Weise produziert werden, auch weiterhin Kunden finden, weil sie einfach am besten sind.

Mehr über die Heinen-Lederproduktion erfahrt ihr hier