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Schöffel: Eine positive Familie

Schöffel Outdoor-Bekleidung 2018
Foto: Schöffel | Michael Müller

Regional verwurzelt und weltweit vernetzt: So führt Peter Schöffel sein Familienunternehmen in die Zukunft.

Josef Schöffel, Sohn des Unternehmensgründers Georg Schöffel, rettete bei der Schlacht von Abensberg 1809 dem bayerischen Kronprinzen Ludwig das Leben und erhielt als Dank eine lebenslange Leibrente. Hätten Sie das Geld damals auch in den Handel mit Strickstrümpfen, Nachthauben und schwäbischen Zipfelmützen investiert?
Schöffel: Die Geschichte von Schöffel zeigt, dass wir im Bereich Bekleidung stets in Produkte mit Potenzial investiert haben. Daher bin ich überzeugt, dass mein Urururur-Großvater zu seiner Zeit richtig gehandelt hat. Ich bin aber froh und dankbar, dass ich heute Produkte entwickeln darf, die mich begeistern. Bei Nachthauben wäre der Funken sicher nicht ganz so übergesprungen.

Foto: Schöffel Peter Schöffel
Peter Schöffel, 57, führt das 1804 gegründete Unternehmen in siebter Generation.

Kann man die Schöffels als eine besonders mutige Familie bezeichnen?
Schöffel: Wir sind vor allem eine sehr positiv eingestellte Familie. Und das hilft dabei, mutige Entscheidungen zu treffen. Wer einen guten Verlauf erwartet, geht entspannter mit Risiken um und fokussiert sich auf ein erfolgreiches Ergebnis. Das bedeutet aber nicht, blauäugig zu handeln. Für den Erfolg der Firma sind das Wissen um Kundenbedürfnisse, eine gute Analyse und unternehmerisches Gespür wichtiger als Mut.

Eine positive Einstellung hilft sicherlich auch angesichts der Konkurrenz von internationalen Konzernen, die mit stolzen Marketingbudgets in den Outdoor-Markt drängen. Wie gelingt es Ihnen, als mittelständisches Unternehmen Paroli zu bieten?
Schöffel: Seit über 200 Jahren richten wir den Fokus auf das perfekte Produkt und höchste Qualität. Bester Tragekomfort, langlebige Produkte und faire Produktion haben für uns oberste Priorität. Dieser Anspruch ist heute gefragt: Die Menschen kaufen wieder bewusster ein.

Sehen Sie es als Wettbewerbsvorteil, dass Schöffel ausschließlich in Familienbesitz ist?
Schöffel: Definitiv. Als inhabergeführtes Unternehmen können wir es uns erlauben, langfristig statt in Quartalszahlen zu denken. Durch den hohen Eigenkapitalanteil sind wir zudem sehr agil und können schnell und unkompliziert Entscheidungen treffen. Wir pflegen eine sehr flache Hierarchie und eine offene Kommunikationskultur, die einen ehrlichen und konstruktiven Austausch fördert.

Stimmt es, dass neue Mitarbeiter am ersten Arbeitstag eine Karte mit dem Aufdruck »Willkommen als neues Familienmitglied« erhalten?
Schöffel: Ja, und das ist auch ernst gemeint. Unsere neuen Mitarbeiter sollen sich hier wohlfühlen, sie sollen Freude daran haben, etwas zu bewegen und das Unternehmen verantwortungsvoll und nachhaltig voranbringen. Wir haben äußerst engagierte Mitarbeiter, die Dinge anpacken und für ihre Aufgaben brennen. Manche arbeiten schon über 40 Jahre bei uns. Sie sind unser wertvollstes Gut, denn ihre Expertise, ihr Engagement, ihre Liebe zum Detail und auch ihre Verbundenheit zum Unternehmen und den Produkten sind für die Qualität entscheidend. Wir fördern daher ihre berufliche und persönliche Weiterentwicklung und legen großen Wert auf eine ausgeglichene Work-Life-Balance.

Schöffel produziert weltweit. Wie gelingt es Ihnen, Sozial- und Umweltstandards in der Lieferkette zu verbessern?
Schöffel: Wir arbeiten sehr eng mit der Fair WearnFoundation zusammen, die sich für soziale und faire Arbeitsbedingungen einsetzt und Schöffel zum dritten Mal den Leaderstatus bescheinigt hat. Zudem haben wir ein eigenes Lieferantenbewertungssystem entwickelt und vergeben für besondere Leistungen einen Award, um unsere Produktionspartner zusätzlich anzuspornen. Es ist unsere unternehmerische Verpflichtung, an allen Produktionsstätten möglichst hohe soziale und ökologische Standards nicht nur einzufordern, sondern zu gewährleisten. Daher eröffnen wir demnächst eine Repräsentanz in Vietnam, dort wird ein Großteil unserer Produkte hergestellt. So können wir vor Ort unsere Philosophie vermitteln, die Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards kontrollieren und verstärkt Trainings anbieten.

Sie sind gerade dabei, das neue Segment Urban Outdoor zu erschließen. Ist die Marke Schöffel dafür cool genug?
Schöffel: »Cool« ist nicht der passende Ausdruck. Urban Outdoor bietet Outdoor-inspirierte, funktionelle Outfits für den Alltag, die das Lebensgefühl Outdoor in die Stadt bringen. Es geht darum, diesen Spirit zu transportieren – und den besitzt Schöffel zweifelsohne.

Seit Anbeginn ist der Unternehmenssitz in Schwabmünchen. Wie engagieren Sie sich für die Region?
Schöffel: Mein Vater und ich haben 2011 die Schöffel-Stiftung gegründet. Ziel ist die Förderung etwa von Kindern und Jugendlichen sowie Umweltschutz – vor allem in unserer Heimatregion. So unterstützen wir seit vergangenem Jahr zum Beispiel die »Gipfelstürmer«, eine Initiative, bei der sozial benachteiligte Familien gemeinsam mit den Sozialarbeitern der Jugendhilfe St. Gregor ein betreutes Wochenende in den Bergen verbringen. Die Arbeit unserer Stiftung wollen wir sukzessive ausbauen.

Sie führen das Unternehmen in siebter Generation. Ist die Übergabe an Ihre zwei Kinder schon beschlossene Sache?
Schöffel: Meine Frau und ich haben immer darauf geachtet, nicht allzu viel Druck aufzubauen oder zu starke Erwartungen zu formulieren, denn ein Unternehmen kann man nur aus Überzeugung und mit Freude führen. Doch unsere Kinder, 19 und 23 Jahre alt, haben ihr Interesse
schon signalisiert. Unsere Tochter arbeitet bereits im Unternehmen. Für eine Übergabe ist es aber noch viel zu früh.

Wie viel Zeit bleibt Ihnen überhaupt noch für das Familienleben?
Schöffel: Für Dinge, die einem am Herzen liegen, muss man sich Zeit nehmen. Das gilt an erster Stelle für meine Familie, aber auch für meine Hobbys. Ich freue mich besonders, wenn ich beides verbinden kann, etwa beim Skifahren oder beim Wandern mit meiner Frau und meinen Kindern. Auch Fliegenfischen ist für mich eine wunderbare Gelegenheit, die Taktung des Alltags zu durchbrechen.

Hightech aus dem Kaffesatz

Foto: Schöffel

Egal, ob Espresso oder Filterkaffee – übrig bleibt Kaffeesatz. Daraus fertigt der taiwanesische Textilhersteller Singtex Stoffe. Er trocknet und entfärbt die Bohnenreste und mischt sie mit Polyester aus recycelten Plastikflaschen. Aus dem Granulat wird Garn gemacht. Das Besondere: Die feinen Poren des Kaffees absorbieren Körpergerüche, reflektieren UV-Strahlung und bewirken, dass die Kleidung schnell trocknet. Schöffel bringt jetzt T-Shirts mit der neuen Ice-Café-Technologie in den Handel. Diese kühlt die Hauttemperatur um ein bis zwei Grad Celsius und hat einen hohen Lichtschutzfaktor. Das Damen-T-Shirt Kashgar (siehe Bild oben) besteht zu 27 Prozent aus der Ice-Café-Faser, daneben aus Nylon und Elasthan.

Mehr über das neue Kashgar-Shirt erfahrt ihr hier