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Tatonka: Faire Produktion in Vietnam

Tatonka Open Factory
Foto: Tatonka | Istvan Ladanyi

Hoan nghênh – willkommen in der Open Factory von Tatonka in Vietnam! Hier kann jeder anschauen, wie es gelingt, fair und sicher zu produzieren.

Rasant sausen die Nadeln in den Stoff. 4110 Mal sticht die Stickmaschine präzise zu, bis das Logo mit dem Bison perfekt sitzt. Das heilige Tier der Sioux, das sie »Tatonka« nennen, ist das Markenzeichen des Outdoor-Ausrüstungsherstellers aus Dasing in der Nähe von Augsburg. 9520 Kilometer Fluglinie entfernt, am Westufer des Flusses Saigon in der vietnamesischen Ho-Chi-Minh-Stadt, betreibt das inhabergeführte Familienunternehmen bereits seit 1989 eine firmeneigene Produktion. Das Besondere daran: Jeder kann die Fertigung besichtigen. »Das ist in der Outdoor-Branche einmalig«, sagt Andreas Schechinger, der das Unternehmen seit 2004 in zweiter Generation führt.

»Sie können sich alles anschauen. Vom Materialeinkauf und der Mustermacherei über den Fertigungsprozess bis hin zum Zolllager. Und wenn Sie einen Blick hinter die Gebäude werfen möchten, dann können Sie auch das gerne tun. Wir haben nichts zu verbergen.«

Komplexe Fertigungsprozesse

Foto: Tatonka

Sorgfältig legen die Arbeiter Vorlagen auf die Stoffbahnen und führen das Stoß- messer über die Linien der Schnittmuster. Schäume werden ausgeschnitten, es wird geschweißt, geklebt, gestickt und gedruckt. Dann geht es bei den Näherinnen und Nähern weiter: Bis zu 22 verschiedene Stationen reihen sich in einer Produktlinie aneinander. Aus über 140 Materialien entsteht so ein Trekkingrucksack, neben Zelten der Hauptumsatzträger von Tatonka. Ausschließlich Erwachsene arbeiten bei Mountech, wie die Open Factory heißt – regulär sechs Tage die Woche von 7.30 bis 16.30 Uhr. Das Mittagessen in der Kantine ist im Lohn inklusive, wer Überstunden leistet, hat Anspruch auf einen Gehaltszuschlag und ein Abendessen. Nach der Kantine legen sich mittags die meisten noch eine halbe bis Dreiviertelstunde aufs Ohr. »Auch Bürochefs und Linienleiter breiten ihre Unterlagen aus und schlafen eine Runde – typisch asiatisch«, schmunzelt Schechinger. Die Beschäftigten sind sozial-, kranken- und arbeitslosenversichert sowie gewerkschaftlich organisiert.

Viele Leistungen gehen über die gesetzlichen Vorgaben hinaus. 250 bis 300 Euro verdienen sie monatlich im Durchschnitt bei Mountech, deutlich mehr als den Mindestlohn für industrielle Ballungszentren von rund 150 Euro. »Wir haben schon immer überdurchschnittliche Gehälter gezahlt«, sagt der Firmenchef. Seit nunmehr 29 Jahren könnten die Angestellten von ihrem Lohn gut leben. Wer sich in frühen Jahren in Fabriknähe ein Stück Land von seinem Gehalt gekauft habe, sei heute sogar Dollar-Millionär. Denn einst lag das Werkgelände am Stadtrand. Heute gehört der Bezirk Phu Nhuan zum erweiterten Zentrum der boomenden Zehn-Millionen-Einwohner-Metropole. Die Grundstückspreise sind explodiert. Das hat Konsequenzen. »Es wird immer schwieriger, hier junge Leute für die Näherei zu gewinnen und auszubilden. Die Mietpreise können sie kaum bezahlen. Und bei dem katastrophalen Verkehr will keiner pendeln«, erklärt Schechinger. »Wir verlagern daher seit 2007 nach und nach die Produktion aufs Land in die Provinz Binh Dinh, rund 650 Kilometer nördlich von hier.«

Zweite Open Factory von Tatonka

Bis 2020 soll die Produktion komplett umgezogen sein. 280 Mitarbeiter arbeiten noch in Ho-Chi-Minh-Stadt – und bereits 600 in Binh Dinh. Entlassungen wird es keine geben, verspricht der Geschäftsführer. Das neue Grundstück in der Stadt An Nhon hat Tatonka auf 55 Jahre gepachtet. Eine große Fertigungshalle sowie eine Edelstahlfabrik für die Herstellung von Kochgeschirr sind bereits in Betrieb. Spätestens Mitte des Jahres soll ein drittes Gebäude fertig sein und dann ebenfalls für Besucher offen stehen. »Die Open Factory ist ein Vorzeigemodell für hohe, zertifizierte Sozialstandards und sichere Arbeitsbedingungen geworden«, sagt Schechinger. »Viele Studenten und Wirtschaftsdelegationen aus anderen asiatischen Nationen schauen hier vorbei. Wir unterstützen sie gerne mit unserem Know-how, damit sie die Arbeitsbedingungen auch in ihrer Heimat fair und sicher gestalten können.«

Tatonka-Produkte: Robust, leicht und komfortabel

Foto: Tatonka

Jährlich fast 1,2 Millionen Produkte – Rucksäcke, Zelte, Taschen, Kleidung, Kochgeschirr und Reiseaccessoires – fertigt das Outdoor-Unternehmen Tatonka in seinen zwei Produktionsstätten in Vietnam. Seit 16 Jahren darunter: der Trekkingrucksack Yukon. Bei der neuesten Variante wurden die Hüftflossen und die Lastübertragung des Tragesystems passgenau für die Damen- und Herrenmodelle optimiert.

Foto: Tatonka Tatonka Open Factory

Wer die Herstellung eines Rucksacks in Vietnam miterleben möchte, meldet sich einfach über die Open-Factory-Website für eine Führung an (jeden Freitag um 10 Uhr bei Mountech, ca. eine Stunde). Ein Fabrikverkauf ist nicht angeschlossen.

Mehr über die Tatonka-Produkte & die Open Factory erfahrt ihr auf openfactory.tatonka.com