Winterbekleidung: 18 Wärmejacken im Test

Winterjacken-Test 2018

Norwegen Jotunheimen Gebirge
Foto: Ben Wiesenfarth

Daune, Kunstfaser oder Wolle? Welche Isolationsjacke sich am besten für eure Touren bei Minusgraden eignet, erfahrt ihr in diesem Winterjacken-Test ... Vergleichbare Produkte im Test

Die Testergebnisse im Überblick:

Jacke / Link zum Testbericht Preis Testurteil
Fjällräven Keb Touring Down Jacket (Daune) 470 Euro Überragend
Jack Wolfskin Argo Supreme (Daune) 300 Euro Überragend
Kifaru Lost Park Parka (Synthetik, Kauftipp) 290 Euro Überragend
Rab Neutrino Pro (Daune) 350 Euro Sehr gut
Yeti Ace Jacket (Daune, Kauftipp) 500 Euro Sehr gut
Ortovox SW Piz Bianco/Piz Bernina (Schurwolle) 330 Euro Sehr gut
Mountain Equipment Transition (Synthetik) 200 Euro Sehr gut
Schöffel Val D’Isere/Annapolis (Synthetik, Kauftipp) 200 Euro Sehr gut
Alvivo Dublin/Belfast (Daune, Kauftipp) 160 Euro Gut
Patagonia Micro Puff Jacket (Synthetik) 250 Euro Gut

Zusammenfassung des Winterjacken-Tests 2018:
Das Winterjacken-Testfeld 2018 überzeugte insgesamt mit einer starken Leistung: Richtig eingesetzt macht jede Jacke aus dem Test glücklich. Fünf Isolationsjacken können wir aber dennoch empfehlen: Die Alvivo Dublin & Belfast (Daune, 160 Euro) sowie Schöffel Val D'Isere/Annapolis (Kunstfaser, 200 Euro) mit günstigen Preisen und solider Performance. Unter den wärmsten Testjacken 2018 bot die Yeti Ace (Daune, 500 Euro) die stärkste Leistung, während die Fjällräven Keb Touring Down Jacket als Nachhaltigkeitssieger gekürt wurde. Aus den USA kommt eine klasse Synthetikalternative: der Kifaru Lost Park Parka.

Der ausführliche Winterjacken-Testbericht 2018 - auch als PDF:

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Im Winter kann man auf Tour viel erleben – selbst wenn kein Schnee liegt. Das fehlende Laub schafft freie Sicht auf Felstürme, Burgen oder Seen, die sonst hinter dem Blätterkleid verborgen liegen, und bei anhaltenden Minusgraden entstehen an Wasserfällen oder Bächen beeindruckende Eisskulpturen.

Damit der Frost den Genuss nicht schmälert, braucht es die richtige Kleidung. Einsteiger werden überrascht sein, wie wenig Stoff einen warm hält, solange man sich bewegt. »Erst in Pausen und bei gemütlichem Tempo müssen Sie sich dicker einpacken«, rät Ausrüstungsredakteur Boris Gnielka. Oder wenn man auf Skitour mit Karacho die Hänge herunterbrettert. Die beste Wahl hierfür sind mit Daunen- und Kunstfasern gefüllte Isolationsjacken. Sie blocken nicht nur Kälte ab, sondern wiegen wenig und lassen sich klein verpacken – praktisch, denn bei flottem Gehtempo oder auf steilen Anstiegen stecken sie in der Regel im Rucksack.

18 Damen- und Herrenjacken haben wir 2018 getestet

Die Preisspanne der Jacken liegt zwischen 160 und 500 Euro (einen tagesaktuellen Online-Preisvergleich gibt es weiter unten). Fünf Hersteller verwenden Daune, drei Kunstfasern und das bayerische Label Ortovox nutzt Schurwolle von Schafen aus den Schweizer Alpen – eine vielversprechende Alternative für alle Fans des Naturmaterials. Spannende Neuheiten gibt es auch bei der Synthetik. So setzt Schöffel auf Primaloft Thermoplume. Es besteht wie Daune aus einzelnen Faserbüscheln und wird in Kammern gefüllt. Das ermöglicht körperbetontere, sportivere Schnitte als mit herkömmlichen, als Matten verarbeitete Kunstfasern. Der kleine, im USBundesstaat Colorado produzierende Hersteller Kifaru bietet ebenfalls eine besondere Isolation: Climashield, ein enorm reißfestes Vlies. Es braucht kaum Fixierungsnähte, die die Isolation schwächen würden – im Fachchargon Kältebrücken genannt. Kein Wunder also, dass es sich beim Lost Park Parka von Kifaru um die wärmste Kunstfaserjacke im Test handelt. Kälteunempfindliche Personen können sie in Pausen bis minus 17 Grad einsetzen.

Welche Jacke für welche Aktivität?

»Das reicht für frostige Winter in unseren Breiten oder Skandinavientouren im Frühjahr, dort die ideale Zeit fürs Skiwandern«, erklärt Boris Gnielka. Noch besser isolieren nur die Daunenmodelle von Rab (bis –22 °C), Fjällräven und Yeti (bis –18 °C). Lob gibt es bei letzteren drei Jacken auch für deren lange, komplett das Gesäß schützende Schnitte. Das untere Temperaturlimit der meisten anderen Kandidaten einschließlich der günstigen Daunenjacke von Alvivo und des Ortovox-Wollmodells liegt zwischen minus vier und minus acht Grad. Mehr braucht man zum Winterwandern und für Skitouren in Deutschland meist nicht. Die dünnste Kunstfaserjacke im Test, die Patagonia Micro Puff Jacket, kommt dagegen schon bei null Grad an ihre Grenzen – zu wenig für Pausen in der kalten Jahreszeit, doch perfekt als extra warme Zwischenschicht. Skitourengeher können die Micro Puff auf Abfahrten zudem als Schutz gegen den eisigen Fahrtwind tragen. So genutzt, hält sie bis minus 15 Grad warm. Generell empfehlen sich für den Einsatz als Zwischenlage die nässeresistenten Synthetikjacken von Patagonia, Schöffel und Mountain Equipment. Sie haben körpernahe Schnitte und tragen kaum auf. Wer wenig schwitzt, kann auch die mit Daunen gefüllte Jack Wolfskin Argo Supreme wählen.

Setzt man den Kälteschutz in Pausen oder im Camp ein, sollte die Jacke nur so warm wie nötig und so leicht wie möglich sein. Deswegen kommen nur Modelle mit einem top Wärme-Gewichts-Verhältnis in Frage. »Spitzenreiter in dieser Disziplin ist die mit Daunen gefüllte Yeti Ace«, sagt Boris Gnielka. Nur knapp 400 Gramm schwer, schützt sie in Ruhephasen vor klirrendem Frost bis minus 18 Grad, das Packmaß fällt mit 2,2 Liter erfreulich kompakt aus. Platz zwei in diesem Kriterium teilen sich die Daunenmodelle von Rab (bis –22 °C, 610 g), Fjällräven (bis –18 °C, 580 g) und Jack Wolfskin (bis –5 °C, 315 g). Ihnen dicht auf den Fersen folgen Kunstfaserjacken von Kifaru (bis –17 °C, 590 g) und Patagonia (bis 0 °C, 250 g), doch auch der Rest des Feldes bietet noch ein ordentliches Wärme-Gewichts-Verhältnis.

Komfort- und Nachhaltigkeitskontrolle der getesteten Jacken

Und wie sieht es mit dem Tragekomfort aus? »Der liegt auf hohem Niveau. Selbst das günstige Daunenmodell von Alvivo schneidet gut ab«, so Gnielka. Drei Favoriten gibt es dennoch: Die Jack Wolfskin Argo (Daune) schmeichelt mit kuscheligem Fleece an Hals und Nacken sowie weichem Pertex-Stoff, die Synthetikjacken von Schöffel und Mountain Equipment punkten dagegen mit top Klimakomfort.

Wer Wert auf möglichst umweltfreundliche Jacken legt, sollte bei den Daunenmodellen zumindest auf eine artgerechte Haltung der Tiere achten. Sehr gute Noten bekommen in diesem Punkt Jack Wolfskin, Alvivo und Rab, deren Füllungen den Responsible Down Standard (RDS) erfüllen. »Noch konsequenter geht Fjällräven zu Werke, deren Daunenzertifizierung Maßstäbe setzt«, sagt Boris Gnielka. Auch die aus der Schweiz stammende Wolle von Ortovox erfüllt strenge Ökorichtlinien. Außerdem wird in Europa produziert.

Insgesamt überzeugt das Feld mit einer starken Leistung: Richtig eingesetzt macht jede Jacke glücklich. Fünf besondere Empfehlungen gibt es dennoch: So punkten die Modelle von Alvivo (Daune, 160 €) und Schöffel (Kunstfaser, 200 €) mit günstigen Preisen und solider Performance. Unter den wärmsten Testkandidaten bietet die Yeti Ace (Daune, 500 €) die stärkste Leistung, während Fjällräven mit der Keb Touring Down Jacket den Nachhaltigkeitssieger stellt. Die Synthetikalternative heißt Kifaru Lost Park Parka.

Der Test unter der Lupe

Isolationsprüfung: In der Praxis lässt sich die Wärmeleistung nur grob beurteilen. Um genaue Werte zu erhalten, gehen die Testmodelle zur Messung ins outdoor-Labor. Wärme entweicht allerdings nicht nur über die Füllung, sondern auch wenn Bündchen, Kragen, Saum oder die Kapuze nicht anliegen. Außerdem spielt der Schnitt eine Rolle: je länger, desto wärmer die Jacke. All diese Punkte werden in der Praxis ermittelt und fließen in die Bewertung der Isolation mit ein.

Temperaturgrenzen: outdoor ermittelt zwei Temperaturangaben: Die erste (Bezeichnung »In Ruhe«) betrifft den Einsatz in Pausen oder wenn Sie im Zelt sitzen, und gibt an, bis zu welcher unteren Temperatur die Jacken warm halten. Die zweite Angabe (»Aktiv«) umfasst den Bereich, in dem man sich bei leichter bis mittlerer Aktivität wohl fühlt. Wichtig: Die Werte »In Ruhe« und »Aktiv« gelten nur, wenn auch die übrige Kleidung an den Winter angepasst ist und man dicke Funktionswäsche sowie eventuell ein dünnes Fleece und eine Softshell unter der Isolationsjacke trägt. Die ermittelten Werte gelten für kälteunempfindliche Personen. Frostbeulen sollten bei den outdoor-Werten zehn Grad Reserve einplanen.

Foto: Andrew Skurka
Herkömmliche Kunstfasern werden als Matten vernäht.

Tragekomfort/Praxis: Auf Tour und über mehrere Wochen im Alltag beurteilte die Testcrew, wie angenehm sich die Jacken tragen. Weitere Kriterien: Ausstattung und Handhabung.

Nässeschutz: Hier bewertet outdoor nicht nur die Wasserfestigkeit des Außenstoffs, sondern auch die der Füllung. Hintergrund: Feuchte Kunstfasern isolieren ordentlich, während Daune verklumpt und ihre Wärmeleistung verliert. Auch imprägnierte Daune fällt in sich zusammen, trocknet aber schneller als unbehandelte.

Qualität: Hier zählen die Material- und Verarbeitungsqualität sowie die Haltbarkeit. Kunstfasern verlieren mit der Zeit an Bauschkraft und damit auch an Isolation. Am haltbarsten sind Daunenfüllungen von ausgewachsenen Tieren, erkennbar an einer sehr hohen Füllkraft (bei Gänse-/Entendaune mindestens 750/700 cuin). Auch eine nachhaltige Produktion führt zu einer besseren Bewertung.

Foto: Wolfgang Ehn
Künstliche Daune: Primaloft Thermoplume besteht aus Faserbündeln.

Unsere getesteten Jacken: