Leichtgewicht-Special 2018

Leichtausrüstung im Test

Leichtgewicht Test 2018
Foto: Fredrik Lewander

Ohne unnötigen Ballast kommt man beim Wandern und auf Trekkingtouren flotter voran. In unserem Leichtgewicht-Special lesen Sie, welche Ausrüstung dafür ideal ist ... Vergleichbare Produkte im Test

Gewichtspartipps

Wandern mit wenig Gepäck macht einfach mehr Spaß«, sagt Ausrüstungsredakteur Frank Wacker. Statt von einem bleischweren Rucksack in die Knie gezwungen zu werden, läuft es fast wie von selbst. Dadurch kann man längere Strecken zurücklegen, und plötzlich kommen Ziele in Frage, die davor unerreichbar waren. Auch ermüdet die Muskulatur nicht so stark, und man fühlt sich insgesamt fitter – das steigert das Wohlbefinden und reduziert das Verletzungsrisiko.

»Mit der falschen Leichtausrüstung hört der Spaß allerdings schnell auf«, so Wacker. In labbrigen Laufschuhen schmerzen die Füße schon nach wenigen Stunden, und ihre zu weichen Sohlen bieten auf nassem Gras oder Matsch kaum Halt – eine der häufigsten Unfallursachen im Gebirge. Und wenn die hauchdünne Regenjacke schon nach wenigen Einsätzen leckt, haben Sie auch keine Freude mehr daran.

Doch es gibt Produkte, die geringes Gewicht, Strapazierfähigkeit mit Komfort und hoher Funktionalität verbinden. Diese finden Sie in diesem outdoorSpecial – von Schuhen über Bekleidung bis hin zu Rucksäcken, Zelten und weiterem Camping-­Equipment. Außerdem verraten unsere Leichtexperten die besten Tipps und Tricks, wie Sie Ihr Gepäck abspecken. Der Umstieg auf Leichtausrüstung ist allerdings erst der zweite Schritt.

Die wichtigste Grundregel lautet: weglassen. »Nehmen Sie nur das mit, was Sie wirklich brauchen«, rät Ausrüstungsredakteur Boris Gnielka, der mit jedem Gramm geizt. Am schnellsten purzeln die Pfunde, wenn man Getränke und Essen reduziert – ein Liter Wasser bringt immerhin ein Kilo auf die Waage. Es gibt also gute Gründe für die Mittagspause in der Berghütte. Einige Riegel und eine mit 0,5 bis einem Liter gefüllte Trinkflasche oder ­blase sollten Sie jedoch mitnehmen, falls der Weg zum Rastplatz länger dauert als gedacht.

»Im Gebirge spricht auch nichts dagegen, über 2000 Meter Höhe aus Bächen zu trinken – außer es weiden Tiere im Umfeld oder es befinden sich Gebäude oberhalb des Bachlaufes«, so Gnielka, der das auf seinen unzähligen Alpentreks schon immer so handhabt. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, greift zur Katadyn Befree, einer Trinkflasche mit ins Ventil integriertem Wasserfilter. Die 1-Liter-Version wiegt nur 65 Gramm und kostet 50 Euro. Durch die hohe Durchflussrate eignet sie sich auch für Zelttouren, um größere Wassermengen fürs Abendessen und Frühstück zu entkeimen.

Auf Zelttreks zählt der Proviant zu den schwersten Brocken im Gepäck, muss man doch pro Person für einen Tag zwischen 0,6 und einem Kilo Nahrungsmittel rechnen. Planen Sie die Route so, dass man in Hütten und Gaststätten essen oder unterwegs einkaufen kann. »Das klappt nicht nur in den Alpen und Mittelgebirgen, sondern auch in Skandinavien. Dort gibt es in vielen Fjällstationen kleine Shops«, sagt Nordlandexperte und Reiseredakteur Gunnar Homann. Nimmt man Proviant mit, sollte es leicht, kompakt und gehaltvoll sein. Zum Frühstück gibt es Müsli oder Haferbrei, tags- über Riegel, Nüsse, Kekse, Schokolade und Trockenobst. Fürs Abendessen steht gefriergetrocknete Nahrung auf dem Menüplan.

Fernglas, Sitzkissen, Multitool und eine üppige Kameraausstattung versüßen einem zumindest kurzfristig das Outdoor-Leben, schlagen aber schnell mit einem Kilo und mehr zu Buche. Achten Sie auf der nächsten Wanderung darauf, welche Teile zum Einsatz kommen – und worauf Sie verzichten können. Letzteres bleibt zukünftig zu Hause. Nur das Erste-Hilfe-Set gehört zur Grundausrüstung. Sie sollten die Größe aber an die Tour anpassen. So genügt für Tageswanderungen eine Minimalversion wie das Tatonka First Aid Mini (120 g, 18 €).

Foto: Montbell
Top Windbreaker: Montbell Tachyon Parka (75 g, 109 Euro).

Außerdem kann man in Gruppen vieles teilen, etwa Messer, GPS-Gerät, Karte, Kompass, Bücher, Seife und Zahnpasta. Auch Kleidung lässt sich ohne großen Aufwand minimieren. Meist hängt alles, was man braucht, im Schrank. Es geht nur darum, die Sachen optimal zu nutzen, sodass Sie mit möglichst wenig auskommen. Als Basis bewährt haben sich eine leichte Wanderhose sowie Langarm- und Kurzarmshirt aus Funktionsmaterial, die man je nach Temperatur miteinander kombiniert. Wer schnell friert, sollte noch ein dünnes Fleece mitnehmen – zum Beispiel für den Start am frühen Morgen, wenn es in den Bergen selbst im Sommer noch sehr kühl sein kann.

Zudem empfiehlt sich noch eine leichte Kunstfaser- oder Daunenjacke, die man in Pausen oder im Camp überzieht. Durch das flotte Gehtempo beschränkt sich der Einsatz der Regenbekleidung nur auf Wolkenbrüche. Als Windschutz trägt man besser eine dünne Softshell oder den nur 75 Gramm schweren Windbreaker Montbell Tachyon (siehe Bild oben). »Sie bieten auch bei forscher Gangart ein angenehmes Klima, während man in Funktionsjacken schnell im eigenen Saft schmort«, sagt Boris Gnielka. Da die Regenkleidung nur selten zum Einsatz kommt und meist im Rucksack steckt, sind klein verpackbare Jacken und Hosen ideal. Gute Leichtgewicht-Jacken für Tageswanderungen gibt es schon für wenig Geld, etwa das Precip Jacket (315 g, 120 €) und die Precip Pant (235 g, 90 €) von Marmot. Nur für Zelt- und Bergtouren sollte man einen Regenschutz aus einem robusten Dreilagenmaterial wählen. Tipp: Arc‘teryx Alpha FL Jacket. Gewicht: 315 g, Preis: 400 €.

Leichtrucksäcke

Die getesteten Leichtrucksäcke im Überblick:

Leichtrucksack / Link zum Testbericht Preis Testurteil
Deuter Gravity Exp. 45+ 140 Euro Sehr gut
Ferrino Radical 45 + 10 250 Euro Sehr gut
Gregory Optic 48 190 Euro Gut
Lowe Alpine Alpine Ascent 40 (Kauftipp) 130 Euro Sehr gut
Osprey Levity 60 (Testsieger) 280 Euro Überragend

»Reduziert man die Ausrüstung und den Proviant, beginnt ein Effekt, den Leichtwanderer als positive Gewichtsspirale bezeichnen«, erklärt Frank Wacker. Wenig Gepäck bedeutet, es reicht ein kleiner Rucksack mit einem nicht so aufwendigen Tragesystem – der im Vergleich zu klassischen Modellen bis zu zwei Kilo spart.

Außerdem benötigt man keine extrastabilen Stiefel mehr, die wie ein Klotz am Bein hängen und einen einbremsen. Dadurch erhöht sich Ihr Gehtempo, Sie legen größere Distanzen zurück und brauchen weniger Zeit für einen Trek – und müssen dementsprechend auch nicht so viel Essen mitschleppen. Sobald Sie das Weglassen beherrschen, lohnt sich der Kauf eines kleineren Rucksacks. Fünf der vielversprechendsten Lastenträger für Trekking- und Hüttentouren hat outdoor getestet.

Drei davon tragen sich sehr angenehm – vorausgesetzt sie passen richtig. So besitzen die Tragesysteme von Lowe Alpine und Ferrino einen herausnehmbaren Rahmen aus Draht oder Alu, der sich an den Rücken anpassen lässt – was das Trageverhalten enorm verbessert. Außerdem sollten Sie die in Frage kommenden Rucksäcke vor dem Kauf ausprobieren. Am besten mit dem Gewicht, das Sie später auf Tour tragen werden – nur so spüren Sie, ob ein Modell angenehm sitzt. »Von den unter Leichtgewichtsfreaks beliebten rahmenlosen Ultralightpacks raten wir ab. Sie erfordern eine spezielle Packtechnik, damit sie nicht wie ein Sack an den Schultern hängen«, erklärt Frank Wacker. Suchen Sie ein Rucksack nur für Tagestouren, reichen um die 20 Liter Volumen völlig aus.

Leichtwanderschuhe

Die getesteten Leichtwanderschuhe im Überblick:

Leichtwanderschuh / Link zum Testbericht Preis
Adidas Terrex Agravic 130 Euro
Asolo Falcon GV MM 180 Euro
Salomon Ultra 3 Mid GTX 165 Euro

Der Umstieg auf leichtere Schuhe macht sich stärker bemerkbar, als man denkt. So entdeckten britische Wissenschaftler bei der Vorbereitung der Everestexpedition von Sir Edmund Hillary Anfang der 50er Jahre, dass jedes eingesparte Gramm am Fuß dem fünffachen Gewicht im Rucksack entspricht. Der Salomon Ultra 3 Mid etwa (920 g pro Paar) spart gegen über einem Trekkingstiefel 800 Gramm – was die gleiche Auswirkung hat wie vier Kilo weniger auf dem Rücken. »Trittsichere Wanderer kommen sogar mit einem noch leichteren Lowcut-Modell wie dem Adidas Terrex Agravic klar, der nur 640 Gramm auf die Waage bringt«, sagt Boris Gnielka. Auch ihn finden Sie im Test – sowie den outdoor-Bergstiefeltipp von Asolo.

Leichtgewicht-Schlafsäcke & Isomatten

Die maximale Gewichtsreduktion in Sachen Schlafsack gelingt nur mit einem hochwertigen und dementsprechend teuren Daunenschlafsack. Äußerst eindrucksvoll beweist das die Passion-Serie von Yeti. Sie besteht aus drei Modellen, je nach Einsatzbereich und Temperaturempfinden findet jeder eine passende Version. Der nur 345 Gramm schwere Passion 1 (370 €, 2, 1 l) ist ideal für laue Sommernächte, möchte man Reserven für kühlere Witterung, empfiehlt sich der Passion 3 (490 €, 3,8 l). Er lässt sich von wenig verfrorenen Naturen bis zum Gefrierpunkt einsetzen und wiegt 560 Gramm – top Wert für diesen Temperaturbereich. Frostbeulen greifen zum wärmsten Schlafsack, dem Passion 5 (5,9 l, 800 g, 620 €). Den hohen Einstandspreis macht die lange Lebensdauer wieder wett: Geht man sorgsam mit dem Schlafsack um, hält er fast das ganze Leben.

Foto: Carinthia
Carinthia G 180: der beste Kunstfaserschlafsack um ein Kilo.

Plant man Touren bei nasskalter Witterung wie in Skandinavien im Herbst, empfiehlt sich ein Kunstfaserschlafsack. »Sie haben in den letzten Jahren dank immer leistungsfähigerer Fasern mächtig abgespeckt«, so Wacker. Vor allem die G-Linie von Carinthia begeistert mit einem sehr guten Wärme-Gewichts-Verhältnis. Am vielseitigsten lassen sich der G 180 (–3 °C, 980 g) und der G 250 (–8 °C, 1250 g) einsetzen. Preise: 230–250 €.

Wer häufiger ohne Zelt draußen übernachtet oder zu Hause auf einer eher harten Matratze schläft, kann eine Schaumstoffmatte nutzen – sie ist noch leichter und robuster als mit Luft gefüllte Isomatten. Tipp: die Isomatte Lightweight (45 €) von Relags. Sie wiegt gerade einmal 180 Gramm. Benötigt man eine bessere Polsterung, gibt es allerdings keine Alternative zur Leichtluftmatratze, beispielsweise die Exped Synmat UL Lite (380 g, 115 €). Vollaufgepumpt bringt sie es auf satte fünf Zentimeter Dicke.

Leichtgewicht-Zelte

Die getesteten Leichtgewicht-Zelte im Überblick:

Zelt / Link zum Testbericht Preis Testurteil
Helsport Fjellheimen SL Camp 939 Euro Überragend
Nordisk Halland 2 LW 670 Euro Sehr gut
Slingfin Crossbow 2 4S 699 Euro Überragend
Vango F10 Xenon UL 2+ (kauftipp) 430 Euro Überragend

Kräftig Gewicht schinden kann man auch mit dem Zelt. Jedes Jahr kommen neue Leichtgewicht-Zelte auf den Markt, die ein bis zwei Kilo weniger auf die Waage bringen als herkömmliche Trekkingzelte. Die Erfahrung der outdoor-Tests zeigt allerdings, nicht alle erfüllen die für den Tourenalltag nötigen Anforderungen. Entweder sie gehen bei der ersten kräftigen Böe zu Boden, oder es entsteht im Innern so viel Kondens, dass die ganze Ausrüstung feucht wird.

Die vier getesteten Leichtgewicht-Zelte überzeugten dagegen auf der ganzen Linie. Sie trotzten nicht nur tagelangem Regen und kräftigem Wind, sondern wurden bei einem Wintereinbruch auch mit nassem, schwerem Schnee überhäuft – ohne dass die Gestänge brachen. Im Gegensatz zu schweren Modellen kommen die Stärken der vier Testkandidaten aber nur im richtigen Einsatzbereich zum Tragen. Das federleichte Nordisk Halland ist bei wärmeren Temperaturen unschlagbar, während sich die Tunnel von Helsport oder Vango vor allem für Treks im hohen Norden empfehlen. Und das erstmals in Deutschland erhältliche Slingfin Crossbow ist ein top Allrounder.

Leichtgewicht-Kocher & Zubehör

Keine Frage, für die meisten Camper empfiehlt sich ein leichter Gaskocher wie der Soto Windmaster (70 g, 100 €). Doch wer auch hier noch die letzten Gramm herausquetschen möchte und keine Kartusche (185 g und mehr) mitschleppen will, liegt mit einem Spiritusbrenner wie dem EOE Apart (45 g, 50 €) richtig. Der Clou bei ihm: Dank einer zweiten, tiefer liegenden Reihe von Flammenöffnungen lässt sich ein kleiner Topf (Tipp: Esbit Titantopf PT750-Ti mit 750 ml – 105 g, 54 €) direkt auf den Brenner stellen.

Foto: EOE
Ultraleicht und kompakt: aus Titan gefertigter Spiritusbrenner und Topf von EOE.

Der EOE-Windschutz Bulbul aus Titanfolie (30 €, 12 g) passt perfekt dazu und verbessert schon bei einer leichte Brise die Leistung. Um sich mit der Handhabung vertraut zu machen, sollte man zu Hause einige Male Wasser zum Kochen bringen. Den Topf erst auf den Brenner stellen, wenn die Flammen auch sauber aus den unteren Löchern flackern – was rund zwei Minuten dauert. Zum Erhitzen von 0,5 Liter braucht man etwa 20 ml Spiritus, der Brennstoffverbrauch für zwei Personen liegt auf einer Wochenendtour bei etwa 90 Gramm.

Tagesaktueller Preisvergleich für die getestete Leichtausrüstung: