Låktatjåkkastugan: Schwedens höchste Skihütte begeistert

Skitouren in Schwedisch-Lappland

Skitouren Special Lappland Lodge
Foto: Mattias Fredriksson

Die Låktatjåkkostugan ist die höchstgelegene Berghütte Schwedens und der ideale Ausgangspunkt für spektakuläre Skitouren - ein echtes Juwel!

Anreise: Die Låktatjåkko-Hütte (1228 m) steht neun Kilometer westlich vom Skiort Björkliden, rund 100 Kilometer nordwestlich der Stadt Kiruna und nur wenige Kilometer östlich der Grenze zu Norwegen. Wer nicht mit dem Auto hinauffährt, nimmt den Nachtzug ab Stockholm (Fahrtzeit etwa 20 Stunden, Fahrpläne unter sj.se). Der nächstgelegene Flughafen ist in Kiruna. Die Fahrt mit dem Auto dauert etwa anderthalb Stunden.

Beste Jahreszeit: Die Wintersaison der Låktatjåkko-Hütte dauert von Ende Februar bis Mitte Mai. Die beste Zeit ist im April, wenn es noch kalten Schnee und zugleich lange Tage mit guten Chancen auf Sonnenschein gibt.

Unterkunft: »Låktatjåkko Fjällstation« ist vom Standard her eher ein Hotel als eine Berghütte. Sie besitzt 18 Schlafplätze in zehn Zimmern. Die Übernachtung beinhaltet Frühstück und Abendessen und kostet 2060 SEK (ca. 200 Euro). Info: bjorkliden.com/en

Die schönsten Touren:

1. Loktacohkka Richtung Kopparåsen, über das Raigenjiira Couloir: Dies ist eine der beliebtesten Touren in der Region. Von der Hütte Richtung Norden auf den Loktacohkka (1404 m), dann 1000 Meter Abfahrt hinunter nach Kopparåsen, von dort zurück zur Hütte. Ca. 10 km, schwer

2. Gearggecorru (1419 m) und Ekosjön-See (1103 m): Von der Hütte auf den Gearggecorru, die Abfahrt umfasst ca. 550 Hm. Sie führt über einen breiten Hang – man kann wählen, wie steil man abfährt. 2,5 Std., 6 km, schwer

3. Auf den Gearggecorru (1419 m), Abfahrt zum See Rissajaure und weiter zum Bahnhof Låkta. Diese Tour erfordert sehr gute Kenntnisse in Routenfindung und Lawinenkunde. 11 km, 1000 Hm, schwer

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Skitouren in Schwedens hohem Norden

Foto: Mattias Fredriksson
Nicht ganz so alt wie die 1939 eröffnete Hütte ist dieses schöne Gästebuch.

Es fühlt sich an, als würden wir uns durch eine Schüssel Milch bewegen – jedenfalls, was die Sicht betrifft. Der Wind weht so stark, dass der Schnee von der Seite kommt, und mir ist eiskalt. Einzig die roten Kreuze, die den Weg markieren, liefern Hinweise darauf, wohin man gehen muss, und zwischendurch verschwinden sogar sie in der weißen, weiten Landschaft. Vielleicht war es nicht die beste Idee, heute eine Skitour zu machen.

Aber wir – vier absolute Wintersport-Enthusiasten – haben ewig im Auto gesessen, unterwegs nach Björkliden in Schwedisch-Lappland, 195 Kilometer nördlich des Polarkreises. Da will man noch frische Luft schnappen und sich die Beine vertreten, auch wenn es nur für eine kurze Nachmittagstour ist. Leider führt diese Entscheidung dazu, dass wir jetzt den Weg zurück zur Låktatjåkko-Berghütte suchen und offensichtlich im Kreis gegangen sind.

Foto: Mattias Fredriksson
Abfahrt im Kärkevagge mit Kurs auf einen See namens Rissajaure.

Das schwarze Holzhaus, momentan von enormen Schneemengen umgeben, ist Schwedens höchstgelegene Berghütte. 1228 Meter über dem Meeresspiegel: Das mag bescheiden klingen, wenn man es mit Hütten in den europäischen Alpen vergleicht. In Schweden allerdings gipfelt der höchste Berg, der Kebnekaise, auf 2097 Metern.

Låktatjåkkostugan,wie die Unterkunft auf Schwedisch heißt, steht etwa 100 Kilometer nordwestlich der Stadt Kiruna und neun Kilometer westlich vom Skiort Björkliden entfernt. Einsam und abgelegen, auf einem Plateau zwischen den Bergen Loktacohkka (1404 m) und Bajip Gohpácohkka (1410 m), überrascht sie mit ziemlich hohem Standard.

Foto: Mattias Fredriksson
In der Låktatjåkkostugan zieren alte Schilder und Ski die Hüttenbar.

Sie besitzt 18 Schlafplätze in zehn Zimmern, das Restaurant serviert jeden Abend ein Drei-Gänge-Menü, und in einer Ecke befindet sich Schwedens höchstgelegene Bar. Eine Sauna und ein gemütliches Wohnzimmer mit einer kleinen Bibliothek verstärken den Wohlfühlfaktor noch. Die Atmosphäre ist entspannt, unverkünstelt und freundlich. Irgendwann finden wir unseren Weg zurück dann doch – und genießen dabei sogar eine Powder-Abfahrt. Die kurze, aber abenteuerliche Tour macht Lust auf die köstlichen Waffeln der Hütte, die für Naschkatzen ein regelrechtes Waffelmenü im Angebot hat. Perfekt für eine »Fika«, wie man in Schweden zur nachmittäglichen Kaffee- und Kuchenpause sagt ...

Eine neue Eisenbahnstrecke machte die Gegend beliebt

Foto: Mattias Fredriksson
»Fjällstation« – der schwedische Begriff für Berghütte klingt solide.

Die Geschichte von Björkliden, Låktatjåkka und der Umgebung begann, als Ende des 18. Jahrhunderts in den Städten Kiruna und Gällivare Eisenerz gefunden wurde. Davor gab es in der Wildnis zwischen Kiruna und der norwegischen Grenze keine Straßen, kaum jemand nutzte das Land. Um das Erz von den Minen zum eisfreien Hafen in Narvik zu transportieren, beschlossen die Regierungen Schwedens und Norwegens, eine Eisenbahn durch die Berge zu bauen. Die Arbeiten begannen 1898, und vier Jahre später nahm die Ofotenbahn ihren Betrieb auf. Die Strecke vom Bahnhof Låktatjåkka über den Låktatjåkka-Pass und hinunter nach Björkliden wurde auch bei Outdoor-Sportlern immer beliebter – im Sommer wie im Winter.

Foto: Mattias Fredriksson
Unterwegs in der Weite des Fjälls, 195 Kilometer nördlich vom Polarkreis.

Das Wetter hier ist oft rau, sodass die Idee, am Pass ein Schutzhaus zu bauen, nahe lag. 1939 öffnete die Låktatjåkko-Berghütte ihre Türen. Zunächst herrschte allerdings wenig Betrieb, denn während des Zweiten Weltkriegs war den Berghütten keinerlei Tourismus erlaubt. Danach entwickelte die Hütte sich zu einem Ausflugsziel für die naturbegeisterten Schweden. Während der 1970er Jahre, als der Nationalheld Ingemar Stenmark im alpinen Skiweltcup aufräumte, boomte dann auch das Interesse am Alpinskifahren. Plötzlich wollte jeder steile Hänge in den Bergen hinabfahren.

Das Hüttenteam motiviert die Gäste

Foto: Mattias Fredriksson
Typisch in Schweden: die Kaffee- und Kuchenpause namens »Fika«.

Heute versprüht auf der Låktatjåkkostugan auch das Hüttenteam die Leidenschaft fürs Skifahren. Die jungen Mitarbeiter haben sich zwischen den Arbeitsschichten viel Freizeit ausgehandelt und gehen bei jeder Gelegenheit auf Skitouren. »Im Winter mache ich eine Pause in meinem Biologiestudium an der Göteborger Universität, weil ich Ski fahren will«, erzählt Ulrika Erwander. Schon den vierten Winter in Folge jobbt sie hier, und auch einen Sommer hat sie bereits auf der Hütte verbracht. »Wir sind hier in einer der schneereichsten Regionen von Schweden. Dazu die Berge – ich kann mir keinen besseren Ort für die kalte Jahreszeit vorstellen«, schwärmt sie. Am nächsten Morgen erwachen wir bei starkem Schneefall und fast 40 Zentimetern neuem Weißgold.Angesteckt vom Hüttenteam gehen wir gleich nach draußen, um ein paar kurze Morgenrunden auf den Hängen vor der Haustür zu drehen.

Foto: Mattias Fredriksson
Zwischendurch erleichtert ein Blick auf die Karte die Orientierung – vorausgesetzt, man hat freie Sicht.

Die Aufstiegsstrecke ist schon gespurt, und Ulrika hat bereits ihren ersten Powder-Ausflug hinter sich. Den Bajip Gohpácohkka (1410 m), einen der zwei Gipfel neben der Hütte, erreichen wir schnell – und ein unbeschreibliches Gefühl durchströmt meinen Körper bei der ersten Abfahrt. Der Schnee ist superleicht, bei jeder Kurve wirbelt und fliegt er wie weißer Staub um mich. Die Bewegungen dazwischen fühlen sich so unendlich weich und sicher an, als würden zwei Schutzengel rechts und links neben mir fahren. Oder zumindest, als ob ich in British Columbia powdern würde. Es ist jedenfalls kein typischer Skitag in Schweden! Ich bin selbst Schwede, ich darf so etwas sagen. Die Runde ist kurz, aber steil, im steilsten Teil fast 50 Grad. Trotzdem fährt man extrem stabil – wahrscheinlich, weil der Sturm gestern so viel Feuchtigkeit vom Atlantik in die Luft gebracht hat.

Luftlinie trennen uns hier nur etwa 40 Kilometer vom Meer. Nach vier Durchgängen machen wir Frühstückspause – kurz. Sobald die Energiespeicher aufgeladen sind und wir genug Kaffee getankt haben, geht es wieder nach draußen. Diesmal Richtung Loktacohkka im Norden. Der Wind hat wieder zugelegt, aber wir finden ohne Probleme den Weg nach oben und ziehen am typischen Steinhaufen auf dem Gipfel die Felle von den Ski. Es hat weiter geschneit, große Schneemengen sind im Sturm gewandert. Das macht uns vorsichtig, als wir Richtung Kopparåsen fahren, etwa 1000 Höhenmeter oberhalb der Straße zwischen Kiruna und Narvik. Das Gelände erweist sich hier, auf der Nordseite des Berges, steil und sehr ausgesetzt, und wir fühlen uns ziemlich klein.

Traumhafte Skitouren bis Mitte Mai

Foto: Mattias Fredriksson
Ein Traum: Powder-Abfahrt hoch über dem Kopparåsen-Tal.

Im dichten Wolkennebel kann man kaum erkennen, wohin es gehen soll. Bis zum magischen Moment: Urplötzlich öffnet sich der Himmel, und wir verlassen das Nebelmeer. Die restlichen 600 Tiefenmeter sind ein Traum, vor allem die letzte Abfahrt zum Bahnhof Kopparåsen. Wir haben Mitte April und damit die in dieser nordischen Region perfekte Jahreszeit zum Skifahren: längere Tage als im Winter, guter Schnee, immer mal wieder Sonnenschein. Unten im Tal zieht ein glücklicher Trupp seine Felle auf, um während der blauen Stunde wieder zur Låktatjåkko-Hütte aufzusteigen. Abends, wenn die Tagesgäste weg sind, kommt auf der Hütte eine besonders familiäre Stimmung auf. In der Wohnzimmer-Bar-Kombination treffen sich Gäste und Mitarbeiter zum Lesen und Reden.

Es gibt kein Internet und kaum Handynetz, aber viele gute Bücher und eine überraschende Auswahl an Bier, Wein und Whiskey. »Lange waren die typischen Besucher hier Skiwanderer und Schneemobilfahrer. Sie wollten die Aussicht genießen, Waffeln essen und vielleicht eine Nacht bleiben«, sagt Ulrika. »Heute kommen immer mehr Menschen, um Ski- und Splitboarding-Touren zu machen. Jüngere Leute, die das Potenzial des Geländes erkannt haben und gleich ein paar Tage bleiben.« Genauso haben meine Freunde und ich das auch geplant. Für morgen steht das Gelände in Richtung Westen mit dem Gearggecorru-Gipfel (1419 m) auf dem Plan. Wir liegen wohl voll im Trend.

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